Die Büffel sind los

LEOPOLDSCHLAG. Sie sind zwar grundsätzlich zutrauliche Tiere, aber irgendwann reichte es gestern Vormittag den drei Büffeldamen und dem Bullen. Sie zogen sich vor dem Medienrummel beim Pressefototermin in ein Weidengestrüpp zurück und zeigten den vielen Kameras nur noch das Hinterteil.

Seit der Ankunft der vier Exoten hat Leopoldschlag nicht nur eine neue tierische Attraktion, sondern auch neue Landschaftspfleger im Naturschutzgebiet. Auf die Idee war der Landschaftspflegeverein Freiwald/Maltsch gekommen. "Die Wasserbüffel sind zum einen eine Rarität und finden hier zum anderen einen idealen Lebensraum vor", sagt Obmann Johann Weinzinger. "Sie lieben das Wasser, sind genügsam beim Fressen und grasen die Feuchtwiesen ab, ohne den Boden zu beschädigen."

Zehn Hektar Versuchsfläche wurden vorerst eingezäunt. Sie ersparen ein großes Stück Arbeit bei der schwierigen Bewirtschaftung, die ohne Traktoren auskommen muss. Bei aller Mühe ist die Landschaftspflege aber unumgänglich: Ansonsten würden die Flussufer im Nu mit Sträuchern zuwachsen, die Wiesen verwalden und seltenen Tieren wie dem Wachtelkönig oder dem Braunkehlchen die Lebensgrundlage nehmen.

Symbiose im Naturschutzgebiet

Auch für den Naturschutzbund ist die Beweidung eine Symbiose: "Die Kuhfladen ziehen viele Insekten an, die wiederum Futter für die Wiesenbrüter sind", sagt Wolfgang Sollberger vom Natura2000-Infozentrum in Leopoldschlag. Besonders erfreulich: Die Tiere fressen auch die Grauweiden, die an den Flussufern wuchern und halten dadurch die Verböschung in Zaum.

Auch wenn jetzt Wasserbüffel auf den Feuchtwiesen grasen: Ab 3. August rücken wieder Freiwillige aus Österreich und Südböhmen mit den Sensen aus, um beim "Green Belt Camp" des Naturschutzbundes eine Woche lang die Flussufer und Wiesen abzumähen.

Weitere Tiere aus Schönbrunn

Gesellschaft bekommen die Büffel, die von einem Züchter in Bad Ischl und aus Sandl stammen, dann auch im Herbst: Zwei weitere Tiere schickt der Tiergarten Schönbrunn. Langfristig ist der Aufbau einer Herde mit eigener Nachzucht geplant. Durch den Fleischverkauf soll das Projekt auch finanziell auf eigenen Beinen stehen. In den Start dieses Versuchs hat der Verein bisher 25.000 Euro aus eigener Tasche investiert – ein Büffel kostet zwischen 2500 und 5000 Euro. Finanzielle Unterstützung erhofft man von öffentlicher Hand: Vom Naturschutzbund und vom Leaderverein Mühlviertler Kernland, der das Projekt in der nächsten Förderperiode in sein Programm aufnehmen will. Das Kernland hat sich dabei bereits in ein internationales Leaderprojekt eingeklinkt, sagt Leader-Geschäftsführerin Conny Wernitznig: Über den historischen Ochsenweg von Ungarn nach Österreich soll nächstes Jahr ein Reiseführer erscheinen, der auch auf Attraktionen wie die Leopoldschlager Büffel hinweist.

"Die Büffel sind los": Mehr über die Landschaftspflege und die seltenen Tiere in dieser einzigartigen Landschaft erfährt man bei den Exkursionen des Naturschutzbundes. Infos, Termine und Anmeldung bei Wolfgang Sollberger, nat.2000infozentrum@gmx.at oder Tel. 0664/5143548.

OÖN 18.07.2007